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Harte Jungs mit weichem Kern

Hagen, 20.11.2009, Hubertus Heuel und Boris Schopper (Fotos)
 
Hagen. In Hagen gibt es weder Hells Angels noch Bandidos. Die hiesige Rockergang nennt sich Freewy Riders.
In der Welt der Rocker gibt es ein ungeschriebenes Gesetz. Es besagt, kein Wort über die Aktivitäten anderer Rockerbanden zu verlieren. Kein Sterbenswörtchen. Schon gar nicht gegenüber einem Pressefritzen.

Also kein Kommentar zum Krieg zwischen Bandidos und Hells Angels, zu all den Schlagzeilen über organisierte Kriminalität? Pitzi (42), Rudi (42), Enrico (41) und Schaefer (40) nicken grimmig: „Kein Kommentar.” Bandidos und Hells Angels würden sich über die Freeway Riders ja auch nicht äußern.

Männer wie Schränke

Die Freeway Riders sind die Hagener Rocker. Männer wie Bäume, mit breitem Kreuz, ausladendem Brustkorb und muskelbepackten Armen. Männer wie Schränke. Sie lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie die einzige Rockergang in Hagen sind und bleiben werden: „Wir dulden nicht, dass hier andere reinkommen.” Was sie anstellen würden, um das zu verhindern? „Kein Kommentar.”

Einmal Freeway Rider, immer Freeway Rider, bedeutet die Abkürzung E.F.I.F. (WP)

Einmal Freeway Rider, immer Freeway Rider, bedeutet die Abkürzung E.F.I.F.

19 Mitglieder zählen die Hagener Freeway Riders zurzeit, ihr Quartier liegt geduckt hinter Dekra und Peugeot im Gewerbepark Kückelhausen. Raue, heisere Stimmen erschallen, auf Spiegeln, Kutten und Pfosten klebt der geflügelte Totenkopf mit Kappe, das Emblem der Riders. Frauen heißen hier Schnitten und Kinder Blagen. Thomas „Pitzi” Siewert bittet zum Interview in den Besprechungsraum mit dem blank polierten, schwarzen Glastisch. „Dies ist unsere Welt”, erklärt er. „Wir leben in unserer eigenen Welt. Wir haben unsere eigenen Gesetze und wollen uns nicht unterwerfen. Wir sind Rocker. Wir sind frei.”

Frei und unabhängig

Wenn man nachhakt, was das denn bedeute, frei zu sein und unabhängig, dann erfährt man von einer Lebenseinstellung mit erstaunlich konservativen Prinzipien. „Die Familie kommt an erster Stelle”, sagt Rüdiger „Rudi” Strohm, und seine Kumpel nicken zur Bekräftigung. „Wenn du eine Schnitte hast, die nicht hinter dir steht, dann funktioniert das nicht mit dem Rockerdasein.” Die Freeway Riders sammeln Spielzeug für bedürftige Familien, organisieren Blutspenden und Feste für krebskranke Kinder. Die meisten von ihnen haben selbst Familie und die gleichen Sorgen wie andere Väter: „Die Blagen sitzen heute nur noch vor dem Computer, hören Techno und kommen nicht mehr aus der Wohnung raus”, klagt Rudi. „Das Internet lähmt sie. Ich sehe das doch bei meinen Jungs.”

In der wertkonservativen Rockergesellschaft aber zählt handgemachte Rock(er)musik, denn die wird als ehrlich empfunden. Ehrlichkeit sei überhaupt einer der wichtigsten Grundsätze, betont Pitzi: „Und Verlässlichkeit. Was zählt, ist die Gemeinschaft.” Opfer zu bringen für den Club, das könne so weit gehen, dass man die Schuld für eine Straftat auf sich nehme und für einen Kumpel, der vielleicht noch unter Bewährung stehe, in den Knast gehe.

Heimliche Hauptstadt

Hagen ist so etwas wie die heimliche Hauptstadt der Freeway Riders. Der erste Club, Chapter genannt, wurde vor 35 Jahren in der Volmestadt gegründet, zu einer Zeit, als der Kultfilm „Easy Rider” in den Kinos lief. Eddy Kante, der Leibwächter von Udo Lindenberg, gehörte dazu. Mittlerweile gibt es bundesweit 32 Chapter mit 550 Rockern. Jeder von ihnen fährt ein Motorrad mit mindestens 550 ccm Hubraum, die meisten eine Harley Davidson. Anders als die Bandidos oder Hells Angels, die in den USA gegründet wurden und weltweite Vereinigungen bilden, blieben die Freeway Riders immer auf Deutschland beschränkt.

Von Motorradclubs, die am Wochenende Ausfahrten ins Blaue unternehmen, grenzen sich die Rocker bewusst ab: „Biker lassen sich vom Bike schubsen”, stellt Rudi klar. „Wir nicht.” Der brutale Schlagedrauf, der das Bild vom Rocker in der Öffentichkeit prägt, sei aber nun auch wieder ein Vorurteil. Alle Mitglieder gehen einem ordentlichen Beruf nach, die meisten als Handwerker. Mit dem Rotlichtmilieu will das Hagener Chapter nichts zu tun haben. „Wir sind saubere Leute”, sagt Pizzi. „Keine Drogen, keine Huren, kein Waffenhandel.”

Überalterung

Das größte Problem, das die Freeway Riders plagt, ist ein allzu menschliches: Überalterung. Chris, das jüngste Mitglied, ist 34, Kurt, der älteste Rocker, 57. Die ganz wilden Zeiten sind denn auch passé, die Prügeleien seltener geworden, schütter werdendes Haar hat die einst langen Matten abgelöst. Auch Rocker werden gesetzter. An jedem ersten Freitag im Monat ist offener Abend im Clubheim am Konrad-Adenauer-Ring 20, dann wird ausgeschenkt für 1 Euro pro Getränk, und das hat sich herumgesprochen. Viele Hagener schauen vorbei, um die Rocker, die auf ihrer eigenen Party schnell in die Unterzahl geraten, aus der Nähe zu betrachten, aber kaum dass jemand beitreten will. „Die Zeiten ändern sich”, sagt Rudi. Es klingt ein wenig resigniert. Harte Jungs mit weichem Kern, genau das sind wir, sagt Pitzi.

 

Beruf: Bodyguard

Eine Kante wie Eddy beschützt Udo Lindenberg

  07.10.2009, Frank Grieger

 

 

Essen. Sein Name ist Kante, Eddy Kante. Er ist der Leibwächter von Udo Lindenberg. Oder besser gesagt: sein Mädchen für alles. Heute wird der geborene Hagener 50.
Klare Kante: „Wer an Udo ran will”, sagt Eddy mit knarziger Stimme, „der muss erst mal an mir vorbei.” Man möchte es nicht unbedingt ausprobieren. Denn wenn der 1,88-Meter-Mann mit der Statue eines mittleren Panzerschranks vor einem in Stellung geht, dann verdunkelt sich die Sonne. „105 Kilo, alles Muskeln und Samenstränge”, versichert der Kraftprotz mit der dekorativen Glatze und der unvermeidlichen Sonnenbrille grimmig blickend.

Der Frank aus Hagen

 

Eddy Kante Bodyguard von Panikrocker Udo Lindenberg Foto: Christine Acke (Christine Acke)
 
Eddy Kante Bodyguard von Panikrocker Udo Lindenberg

Foto: Christine Acke

Eddy Kante, der eigentlich Frank mit Vornamen heißt und aus Hagen stammt, ist Udo Lindenbergs Leibwächter. Und noch viel mehr als das: Mädchen für alles, Fahrer, Ziehsohn, Kumpel, Schattenmann – einer, der Udo das Badewasser einlässt. Einer der ganz wenigen, die ihn mal ohne Hut sehen („Was drunter ist? Haare, was denn sonst!”). Der dessen Portemonnaie und Kreditkarten hütet.

Und der auf Reisen alles, was der Meister braucht, noch mal in doppelter Ausführung dabei hat: von den Socken bis zum Panikhut, von den Nasentropfen bis zur Zahnpasta.

Udo und Eddy – das ist eine Männerfreundschaft der ganz besonderen Sorte. „Die Silberhochzeit haben wir schon lange hinter uns”, berichtet Lindenberg. „Ich habe den Job gefunden, von dem ich immer schon geträumt habe”, ergänzt Eddy Kante.

Die Ursprünge der seltsamen Symbiose liegen 37 Jahre zurück. Da stand der 13-Jährige Frank vor dem Spiegel im heimischen Badezimmer und stach sich mit Stecknadel und Tinte eine ungelenke Tätowierung ein: Udo Lindenberg, sie ist bis heute kaum verblasst. Dass ihm das Tattoo drei Wochen strengen Stubenarrest bescherte, konnte die Begeisterung nicht trüben. „Ich hab' alles, was mit Udo zu tun hatte, in einem DIN-A-4-Heft gesammelt. Ich hab' den ,Bravo'-Starschnitt an die Wand geklebt. Und ich bin ihm nachgereist.”

Mit Beharrlichkeit arbeitete sich der Super-Fan immer näher an sein großes Vorbild ran, traf ihn mal hinter der Bühne, schaffte es bis in die Hamburger Panik-Zentrale. Lindenberg sagt heute: „Er ist mir zugelaufen.”

Udos größter Fan

Und dann, vor 31 Jahren, kam der Satz, der Eddys und auch Udos Leben veränderte. „Willste nicht mitfahren? Ich brauch noch 'n Bodyguard.” Hätte er damals nicht eingeschlagen – er wäre entweder im Rotlicht-Milieu oder im Knast geendet, gibt Kante zu.

Einschlägige Erfahrungen hatte er schon damals. Die Mutter war früh gestorben, er wuchs bei Onkel und Tante auf – und mit der Rockergruppe Freeway Riders, die für ihn so was wie eine Ersatzfamilie wurde. „Ich war ein Straßenkämpfer. Da gab es natürlich auch Hauereien.”

Ein Straßenkämpfer

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, hieß absurderweise: Schwarzfahren. Verstoß gegen die Bewährungsauflagen, neun Monate Jugendknast – die Strafe hatte er zum Zeitpunkt von Udos Offerte gerade abgesessen. Den Meister, der schon immer ein Faible für Gestrandete hatte, konnte das nicht schrecken. Ganz im Gegenteil. Panik-Udo hielt ihm auch die Treue, als Eddy Jahre später wegen diesem und jenem noch einmal hinter Gitter musste.

Mit den krummen Touren, so sagt er, hat der Vater eines Sohnes (29) und einer Tochter (6) längst abgeschlossen. Sogar eine wohltätige Stiftung namens „Schützt unsere Kinder” hat der herzlich-harte Hund in der Zwischenzeit gegründet.

Und sonst? Wird Eddy heute seinen 50. Geburtstag feiern – im kleinen Kreis. Die eigentlich geplante Riesensause im Hamburger Landhaus Walter mit 600 Gästen – darunter Lindenberg, Rammstein, die Scorpions, Extrabreit und die Freeway Riders aus seiner Heimatstadt Hagen – musste nach einem schweren Motorradunfall abgesagt werden: Am 19. August trug der passionierte Biker bei einem Sturz mit seiner Harley fünf Knochenbrüche davon („Ich hatte nicht mal Schuld”).

Gerade erst wurde er aus der Reha-Klinik entlassen. Udo Lindenbergs trockener Kommentar dazu: „Der Eddy ist ein Mann aus Eisen, der geht Gott sei Dank schnell wieder heile.”

Er weiß ja, was er an seinem Kumpel hat – den er auch schon mal zärtlich „Kugelfang” nennt. So richtig spaßig ist das aber nicht gemeint. „Ich würde für Udo sterben”, versichert Eddy Kante glaubhaft. „Denn alles, was ich bin, verdanke ich Onkel August, Tante Hilde, den Freeway Riders – und vor allem natürlich Udo Lindenberg.”

 

 

Freeway - Security

Anlässlich einer Exclusive-Release-Party-Show der Thrush-Metal Band "Destruction"  mit der Vorgruppe Assassin und Anderen, am 27.09.2009 im Jugendkulturhaus Kultopia der Stadt Hagen,  stellten die Freeway - Rider´s Hagen einen reibungslosen und störungsfreien Ablauf der Veranstaltung, als Security - Mannschaft sicher.

Hierbei wurden Einlasskontrollen u. a. auf mitgebrachte Getränke, Flaschen und gefährliche Gegenstände durchgeführt. Auch haben sie für die Sicherung des Vip-Bereichs, der Bühne und der Bands gesorgt.

Sue von Adligate schrieb ins Gästebuch:

Hallo Ihr Lieben,
am Sonntag ward ihr einfach SUPER!! Es hat alles wunderbar funktioniert und ich hoffe das Ihr Euch auch bei uns im Kultopia wohl gefühlt habt... Ich bin begeisterter Freeway Rider´s Fan und werde immer für Euch sprechen!!!

Liebe Grüsse

Sue

Wir sind für Überwachung bei Events, Konzerten und anderen sensiblen Bereichen buchbar.

Für Bookings siehe Kontakt

 

Bilder der ReleaseParty

Das neue Album:

The curse of the Antichrist - Live in Agony

 

Der Wochenkurier berichtete in seiner Ausgabe vom 5.9.2007

 Der „Freeway Riders MC Hagen" ist ein Motorradclub mit Stolz und Tradition. Seit einem Jahr trifft er sich im Vereinsheim am Konrad-Adenauer-Ring (früherer Rehsieper Weg). Am kommenden Freitag sind alle Interessierten eingeladen, beim Tag der offenen Tür die Mitglieder der bunt gemischten (und hier die nicht ganz vollständigen) Truppe kennen zu lernen und einen Blick in die noch recht neuen Räumlichkeiten zu werfen.                                                                                                                                                                                                                      (Foto: Norbert Fendler)

Echte Kerle gute Taten

„Freeway Rider´s“ - rau, aber herzlich

 Hagen. (NO) Man ist unter Kumpeln. Dementsprechend rau, aber herzlich ist der Umgangston im Vereinsheim der „Freeway Riders Hagen" hinter der Peugeot-Niederlassung am Konrad-Adenauer-Ring. Vor einem Jahr hat der Motorradclub dort ein Domizil gepachtet, ein idealer Treffpunkt für die zurzeit 17 Motorradfreunde. Ideal zum Quatschen, Bier trinken und - wenn es denn das Wetter noch zulässt - zum Würstchen grillen.

 Die Anfangszeit

Im noch recht neuen Vereins­heim wird die Fahne der „Rocker-Kameradschaft" hoch gehalten. Das können Interessierte speziell am kommenden Freitag erfahren. Die frühen 70er Jahre: Zeit der Jeanswesten, langer Locken und Koteletten. Der erste Flaum auf der Oberlippe wird zum Schnauzer weitergepflegt: Easyrider ist Kult. Die CB 50 kommt heraus, ein Viertakter der Miniklasse. König ist, wer eine „Großschild" besitzt, eine Fünfziger ohne Geschwindigkeits­begrenzung mit einem echten Motorradkennzeichen. Mit den Boliden der Schnapsglasklasse rückt der Horizont näher.

 Gründung in Hagen

Etliche Jugendgruppen vor allem im „Pott“ fanden sich zu Motorrad-Cliquen zusammen, in ihnen fühlte man sich stark und zuhause. Vor Ort wurde 1974 der „Freeway Riders MC Hagen" aus der Taufe gehoben, die mit Stolz ihr gesticktes Zeichen, das Colour, auf ihren ausgefransten Jeanswesten trugen: ein rundes Abzeichen, rot auf schwarzem Grund, dessen Mitte ein Rad mit einem Eisernen Kreuz zierte. 1977 wurde das Emblem geändert, seitdem ziert ein geflügelter Totenkopf mit Mütze das dreiteilige Colour. Heute ist der „Freeway Riders MC Germany" in 26 Städten Deutschlands vertreten, in zwölf „Chapter" unterteilt und zählt rund 600 Mitglieder.

 Der Sache treu geblieben

Ende der 70er Jahre trennte sich die Spreu vom Weizen. Bald zeigte sich, wer Rocker bleiben oder lieber mit der „Tussi" im tiefer gelegten Manta durch die Gegend fahren wollte. Die Hagener „Freeways" blieben sich und ihrer Sache treu. Jahrelang traf man sich im Eilper Vereinsheim am ehemaligen Betonwerk, doch jetzt freut man sich über den Standort am Konrad-Adenauer-Ring. 

 In der gemütlichen Bar im Vereinsheim kann man mit den Clubmitgliedern und den Vorsitzenden Ralph (4. v. l.) und „Pitzi“ (Mitte) ein Bierchen trinken.                                                                                                                                                                                                                       (Foto: Norbert Fendler)

 Echte Kerle, gute Taten

Die Hagener Motorradfreunde mögen auf manche Zeitgenossen auf den ersten Blick abschreckend wirken, sind aber echte Kumpel mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Die Mitglieder sind zwischen 30 und 54 Jahre alt und kommen aus unterschiedlichsten Berufen, wobei das Handwerk eindeutig überwiegt. Zu ihren Aktivitäten gehört nicht nur das Ausleben handfester Rocker-Kameradschaft, sondern auch der Einsatz in der Öffentlichkeit.

Bei der allerersten Veranstaltung von „Rock auf dem Müll“ waren die „Jungs“ schon als Sicherheitstruppe engagiert, ebenso bei „Rock gegen Rechts" und beim Stadtteilfest in Hohenlimburg in Kooperation mit der Polizei. Zudem machen die „Freeway Rider´s“ durch Blutspende-Aktionen und Veranstaltungen zugunsten krebskranker Kinder von sich reden. Der Hagener Club plant zurzeit zudem einen „Toy-Run", um Spielzeug für Kinderheime zu sammeln. 

 Das „Colour“ der „Freeway Riders Hagen“ (Logo: Verein)

 Tag der offenen Tür

Am kommenden Freitag - wie jeden ersten Freitag im Monat - haben alle Interessierten die Möglichkeit, die „Freeway Rider´s Hagen" und ihr Vereinsheim am Konrad-Adenauer-Ring hinter den Niederlassungen von Peugeot und DEKRA kennen zu lernen. Die Mitglieder unter dem Vorsitz von „Pitzi“ und Ralph freuen sich auf neue Gesichter...

 

 

Die Biker News schrieb:

Heiratet da die Prominenz? - schien sich mancher Passant angesichts der Stretchlimo und des imposanten Motorradkorsos zu fragen. Das Hagener Standesamt befindet sich ironischerweise in der Freiheitstraße, und dort fanden sich Bräutigam Domenico vom Freeway Rider´s MC Hagen und seiner Bianka ein. Die Freeways geben in Hagen den Ton an und halten als Motherchapter mit dem Chapter Lennetal und den Free Wheels Hagen eine lange Rockertradition hoch.

Tradition kennzeichnet auch die Beziehung von Bianka und Domi. 19 Jahre sind sie schon zusammen, drei Kinder das Ergebnis fruchtbarer Zusammenarbeit. Dies wurde nun durch die von den Brüdern organisierte Hochzeit gewürdigt.

Nachdem der staatliche Segen eingeholt war, musste erst der obligatorische Baumstamm durchgesägt werden, der fast immer den Ausgang eines Standesamtes versperrt. Da die gemeinsamen Bemühungen  mit der Handsäge wenig Wirkung zeigten, griff Domi zur zufällig bereit liegenden Motorsäge. Schließlich fährt der Mann ja auch motorisierte Zweiräder und kein Fahrrad.

Nachdem per Burnout noch zwei symbolische Trauringe in den Asphalt gebrannt worden waren, fuhr das Paar mit der ganzen Meute im Schlepp durch die Stadt und blockierte zeitweilig eine Autobahn, um dann zur Feier im Clubhaus der Free Wheels anzukommen.

Hier begrüßte das Paar im laufe des Tages immer mehr Gäste, und sie ließen sich auch nicht lumpen, 800 Liter Bier und jede Menge Schnaps warteten auf die Feiernden. Das Essen war vom Feinsten, aber schließlich weiß Domenico als Restaurantbesitzer, was den Gästen schmeckt.

Auf die Ohren gab es von zwei befreundeten Bands. Als dann noch der Gastgeber das Mikro ergriff, um "Rap im Freestyle" zum Besten zu geben, wusste jeder was gemeint war, als auf der Einladung "Feiern bis zur Freakshow" stand. Und denk dran, unser italienischer Freund: Immer schön ehrlich bleiben - eine Ehe ist kein Fußballspiel.

 

 

Die Westfälische Rundschau berichtete am 29.9.2006

 

Qualmender Reifen besiegelt Biker-Ehe

     (WR-Bild: Michael Schuh)

Im offenen Straßenkreuzer mit Tigerfell-Bezügen fuhren Domenico Marino und seine Frau Bianca Enselmann zur Hochzeitsfeier nach Haspe. Begleitet wurde das junge Paar standesgemäß von einem langen Motorrad-Korso.

 Hohenlimburg. (emmi) Dass ein frisch vermähltes Brautpaar das Hohenlimburger Standesamt verlässt, ist eigentlich nichts Ungewöhnliches - doch gestern blieben viele Passanten mit offenen Mündern vor dem Rathaus stehen. Eine solch spektakuläre Hochzeit dürften nämlich die wenigsten von ihnen bislang gesehen haben.


Als sich Domenico Marino und Bianca Enselmann das Ja-Wort gaben, war der Vorplatz mit dicken Motorrädern und deren vielfach nicht minder schweren Besitzern geradezu übersät. Anstelle von Anzug und Krawatte prägten Tattoo´s und Lederwesten das Bild - auch der Bräutigam machte da keine Ausnahme. Denn Marino gehört dem Motorradclub "Freeway Riders" an, dessen Mitglieder aus ganz Deutschland den Weg an die Lenne gefunden hatten.

Wenngleich Biker von weiten Teilen der Bevölkerung als eher unstet eingeschätzt werden, widerlegt der gemeinsame Lebensweg von Domenico und Bianca diese Theorie. Bereits seit 19 Jahren sind die beiden ein Paar, die Töchter Joyce und Jamie-Ann sowie der drei Monate junge Sohn Don-Anthony komplettieren die Familie. Was aber nicht bedeuten soll, dass auch die Hochzeitszeremonie bürgerlich-normal verlaufen muss. Denn bei Motorradclubs gehören dröhnende und qualmende Maschinen sowie Böller offenbar ebenso zu einer Eheschließung wie der obligatorische Reis und das Gläschen Sekt.

Und dass man mit einem PS-starken Zweirad nicht nur durch die Lande fahren kann, bewies ein Freund Marinos mitten auf der Freiheitstraße: Mit durchdrehendem Hinterrad malte er zwei Eheringe auf den Asphalt, die aussahen, als seien sie mit dem Zirkel gezogen worden.

Im Korso, dem neben besagter Schar an Motorrädern auch ein offener US-Straßenkreuzer sowie eine Stretch-Limousine angehörten, ging´s anschließend quer durch Hagen zur großen Feier in Haspe. "Und da wird dann Party gemacht, bis der Arzt kommt", wusste ein Freeway-Rider zu berichten. Wer die Hochzeitsgesellschaft in Hohenlimburg erleben durfte, der dürfte keine Zweifel an dieser Aussage hegen.

 

29.09.2006    Mittlerweile 25 Chapter

 

HINTERGRUND

·  In den den Siebziger Jahren, als der Kultfilm "Easy Rider" in den Kinos lief, wurden die Freeway Riders gegründet. Seit 1974 ziert ein geflügelter Totenkopf mit Mütze die Weste der Freeway Riders.

·  Heute existieren 25 Ortsgruppen, so genannte Chapter. Viele von ihnen sind im Ruhrgebiet zu Hause, aber auch in Fulda, Wesermünde oder Bad Kissingen haben sich Chapter gegründet.

·  Das Motto des Motorradclubs lautet E.F.I.F. - einmal Freeway, immer Freeway.